transpackaging

Constantin Luser, Bettina Reichl,
Kulturzentrum Minoriten Graz, 2000

Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst. Vieles wird bei „transpackaging“ durchleuchtet und in Frage gestellt. Über der Bodeninstallation aus Naturverpackungen schwebt die Deckeninstallation aus Kunststoffverpackungen wie Spiegelbild und Widerspruch zugleich. Eben so, wie es eine der AusstellungsmacherInnen, Bettina Reichl, erlebt hat: „1993 das erste Mal Vietnam. Auf den Märkten von Saigon die schönsten Naturverpackungen, zum Trocknen ausgebreitete Feldfrüchte, frisches Fleisch in Bananenblätter gewickelt. 1999 die Straßen verbreitert und frisch asphaltiert. 


Über die Reisfelder weht Plastik, entlang der Straßen ein weißes Band achtlos weggeworfener Styroporbehältnisse.“ Aber schon im nächsten Raum die Synthese: Kühlschränke in denen die Ergebnisse modernster Forschung wie in einem Tresor aufbewahrt werden. Forschung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, natürliche Rohstoffe mittels modernster Technik nutzbar zu machen. Verpackungen aus Hanf, aus Stroh, aus Holz, aus Algen, aus Obstabfällen, aus Molke, aus Eiweiß, aus Pflanzenölen und Stärke. Was aussieht wie Plastik war früher Zucker und wird einmal Kompost sein - ein Sinnbild für die Transformation des Natürlichen nicht nur ins Künstliche, sondern wie die gewachsenen Designerkürbisse von Jan Velthuizen auch ins Künstlerische. Ob Arnold Reinthaler mit seinem Projekt „Verstrickungen“ Marketingmechanismen aufdeckt, indem er uns zur Bestellung eines Stricksets verführt, ob Constantin Luser das Verhältnis von sichtbaren und erklärenden Strukturen untersucht, indem er einen Text in eine Luftpolsterfolie einimpft (die dadurch zwar ihre Schutzfunktion verliert, aber zugleich zum Träger einer Information wird, die schützt), ob „the bag“ von Emanuel Danesch, David Rych und Gabrielle Cram unseren privaten Raum vor der Reizüberflutung des öffentlichen Raumes schützt - wir erkennen und erfahren an uns selbst, daß heute Verpackung weit mehr als ihren ursprünglichen Zweck erfüllt. Wenn wir uns zu den Klängen des „1.Wiener Gemüseorchesters“ (alle Instrumente sind aus Gemüse), am „Verpackungsbuffet“ (Communicatering) bedienen und mit jedem Stück, das wir aus dieser essbaren Skulptur entfernen, das Kunstwerk verändern und zu Müll transformieren, dann sind wir selbst plötzlich inmitten des Widerspruches, Teil der Synthese, Teil des Kunstprozesses. Und das ist gut so, denn eigentlich geht es ja schon die ganze Zeit nur um uns selbst.

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